Dienstag, 22. April 2014

Osterbilanz - Flugzeugwrack gefunden

NEWS:

Auch das ist El Hierro. Der Kontrast von saftigen und dicht bewaldeten Bereichen und die karge und von alten Vulkankegel übersäte Lavawüste im Süden (Foto: Jörg Gröger danke) und im Südwesten der Insel.
Erfreulich war die Osterbilanz im Tourismus. 75 % Belegung meldet die Wirtschaftsgesellschaft Ashotel für El Hierro und La Palma. Die Auslastung für La Gomera gar bei 90 % und Teneriffa bei 95 %. Auch der Der Präsident des Bundesverbandes der Arbeitgeber in Hotellerie und Tourismus (FEHT), Fernando Fraile, ist mit der Osterbelegung mehr als zufrieden. Auch wenn über die Feiertage die Flugpreise hoch sind, haben mehr Gäste als im Vorjahr auch die kleineren Westinseln besucht.

El Hierro, La Gomera und La Palma haben doch einiges mehr an unberührter Natur und Ruhe zu bieten, als die überlaufenen größeren Ostinseln. Jeder der schon einmal seinen Urlaub hier verbracht hat, weis diese Vorzüge, die Herzlichkeit der Menschen und die einzigartige Atmosphäre zu schätzen. Der Urlauber ist nicht nur zahlender Kunde, sondern ein gern gesehener Gast und das ist nachhaltig zu spüren und bleibt in Erinnerung.
Immer wieder kehrende Stammgäste sind das Ergebnis. Bei einem Massenansturm wäre dieses besondere Flair schnell verloren. Deswegen begnügen wir uns mit weniger Gästen, die dafür um so intensiver betreut und umsorgt werden können.
Auch die Kreuzfahrt-Saison geht nun langsam zu Ende. Die AIDA`s, TUI Mein Schiff und Co. befahren über die Sommermonate das Mittelmeer und die nördlichen Meeresgebiete.

Auch wenn ich schon 18 Jahre hier lebe, freue ich mich alle Jahre wieder auf den ruhigen Monat Mai. Kaum Touristen, dafür überall frisches Grün, blühende Landschaften und meine Urlaubszeit. Nicht in die Ferne - sondern hier auf La Palma.
Wandern, Barrancos und Vulkankegel erklimmen, die Natur genießen und neues Entdecken (gibt es auch noch für mich) - oder einen Abstecher auf eine Nachbarinsel.


Auch die vulkanische Aktivität unter El Hierro ist weiter in der Ruhephase. Gestern nur zwei schwache Beben bis ML1,4 aus 11 bis 13 km Tiefe unter dem Inselmassiv (siehe IGN Karte). Eine trügerische Ruhe. Jederzeit - und dafür sprechen die GPS Daten der Bodenverformung - kann es mit der Ruhe wieder vorbei sein. Anders als die überirdische Natur, kennt die vulkanische Naturgewalt keine Jahreszeit. Hier ticken die Uhren etwas anders, ohne Rhythmus oder mit einem Schema, das wir aber noch nicht genau durchschaut haben.



Hubschrauber-Wrack im Atlantik gefunden

Die Überreste des vor einem Monat südlich von Fuerteventura abgestürzten SAR Puma Helikopter mit vier Besatzungsmitgliedern wurde gefunden. Das Wrack liegt im Atlantik in 2362 Meter Tiefe etwa 55 Kilometer südwestlich der Insel Fuerteventura.
Ein ROV (Unterwasserroboter) hat es entdeckt und Aufnahmen auch mit den vier toten Soldaten an das Suchschiff gesendet. Ob es der ROV der Ángeles Alvariño des Instituto Español de Oceanografía (IEO) oder der Roboter des Bergungsschiff der US amerikanischen Firma Phoenix International Holdings war, wurde vom Militär nicht mitgeteilt.
Nun will man versuchen, die Überreste aus dieser großen Tiefe zu bergen. Dies wird keine leichte Aufgabe sein.

In eigener Sache:

Ich schreibe Bücher - ich schreibe gerne Bücher rund um mein Leben. Nicht nur Reise- oder Vulkanliteratur, sondern auch über den Selbstbau meines Kachelofen.

Vor 6 Jahren ist dazu eine einfache Bauanleitung erschienen, die ich in viele Länder von Australien, Südafrika, Israel bis Island und natürlich auch in die deutschsprachigen Länder versandt habe. Oft wurde nach dieser Bauanleitung inzwischen mein Kachelofen erfolgreich nachgebaut.

Es wurde nun Zeit, dass ich die Bauanleitung überarbeitet in Buchform erscheinen lasse. Seit einigen Tagen kann nun das Buch "Kachelofen Selbstbau" im Handel und bei den Versandhändlern - wie Amazon - bezogen werden. Alles weitere dazu hier.


Samstag, 19. April 2014

Schwerelos über den Kanarischen Vulkanen schweben

NEWS:

Visionäre braucht das Land. Das Swiss Space Systems (wegen der drei S kurz S3 genannt) will von den Kanaren Touristen in den Weltraum befördern ( siehe dazu "Von den Kanaren ins Weltall"). Normal traut man den Eidgenossen solch innovative Vorreiterrollen eigentlich gar nicht zu. Ist doch das Alpenland mehr für traditionelle und ruhige Gangart bekannt. Jetzt packen aber die Macher aus Payerne (Schweiz) konkrete Termine aus und machen Nägel mit Köpfen. Soweit ich weis erstmalig in Europa bzw. geographisch korrekt in Afrika.

Für Juli 2015 kann bereits gebucht werden. Noch kein Weltraumspaziergang - aber ein Parabelflug um die Schwerelosigkeit über Gran Canaria zu erleben. Am 11./12./18./19./25. und 26. Juli 2015 geht es mit einem Airbus A-300 vom Flugplatz Gando auf Gran Canaria auf 10.300 Meter Höhe. In einem 45 Grad steilen Winkel stürzt die Maschine über 3000 Meter Richtung Erde. Für 25 Sekunden wird der Fluggast das Gefühl der Schwerelosigkeit erleben können (Foto: DLR). Maximal 80 "Astronauten" können pro Flug mitgenommen werden.
Die Flugzeugzelle ist dabei in drei Parzellen aufgeteilt:

  • Touristenklasse:  44 Personen auf 162 m² für ca. 2000.- €/Person

  • Premiumklasse:  24 Personen auf 112 m² für ca. 5000.- €/Person (mit Ball- und Flüssigkeits- Experimenten

  • VIP Klasse:          12 Personen auf 98 m² für ca. 50.000.- €/Person ( mit besonderen Einlagen und wahrscheinlich Kaviar- und Champagner- Experimenten - genaues ist noch nicht zu erfahren)
       
Das ist zunächst der erste Teil. Bis 2018 - 2020 soll es dann Huckepack mit einem Shuttle (Fotos S3) echt ins Weltall gehen. Hier werden die Kosten um die 100.000 €/Person liegen. Vom Rücken eines Airbus wird das Shuttle in 18.000 Meter Höhe ausgeklinkt und  selbständig auf 100 km Höhe ins Weltall weiter fliegen - und alles von Gran Canaria aus. Nach einem Abstecher im All soll der Shuttle dann selbständig wie ein Flugzeug in Gando wieder landen (siehe Grafik links). Das ist die ehrgeizige Zielvorgabe. Die dritte Stufe ist dann der Transport von Satelliten in eine erdnahe Umlaufbahn. Alles nach dem gleichen Huckepack- Verfahren. S3 glaubt mit diesem Verfahren die Transportkosten so um 50 % reduzieren zu können.

Dass es sich um keine "Spinnerei" oder "Utopie" handelt, dafür zeichnen als Eigner ehemalige Astronauten, bekannte Großunternehmen und Kooperationen mit internationale Raumfahrtagenturen in Russland und den USA.

Schön ist es natürlich, dass man dafür die Kanarischen Inseln ausgesucht hat. Aber die politische und geostationäre Lage macht von hier auch Sinn. Mit dem geringsten Energieaufwand in Äquator- Nähe ins Weltall. Zudem sind wir ein stark frequentiertes Touristenziel.
Eine Woche Vollpension auf einer Kanarischen Insel mit einem Highcheck ins Weltall. Alles leicht und pauschal über TUI zu buchen. So normal wie eine Kreuzfahrt auf "Mein Schiff" oder "AIDA".

Noch nicht - aber ... und das ist kein Scherz ... es gibt bereits Gespräche zwischen S3 und dem Touristikunternehmen.
Also in Kürze vielleicht auch das möglich ... auf zur Ostereier-Suche ins Weltall !

Wer sich näher dafür interessiert und vielleicht Mitfliegen möchte, schreibt mir eine Mail. Ich werde einmal versuchen, weiteres von S3 in Erfahrung zu bringen.

Das hat natürlich nichts mit Vulkanen und deren Aktivität zu tun - aber mit den Kanaren. Es ist eine Sache die sich direkt vor meiner Haustür abspielt und interessant ist.
Wenn das Durchhaltevermögen und der immense finanzielle Background (die Schweizer haben damit Erfahrung) vorhanden ist - wird es auch erreichbar sein.

Vulkantechnisch hatten wir auch gestern 5 Beben bis ML2,3 aus 12 km Tiefe um den Tanganasoga/ Golfotal. Sonst gibt es keine Veränderungen.

... und schöne Ostergrüße an alle Fans der Kanaren, Beobachter der vulkanischen Aktivitäten und natürlich meine Leser.

Donnerstag, 17. April 2014

Vulkan - ML3,3 Beben vor der Westküste

NEWS:

Karfreitag, 18.04.14
- seit 14.38 Uhr spielen die Seismografen verrückt. Es dürften die Auswirkungen des ML7,5 Beben in Mexiko sein. Die Seismografen der Nachbarinseln sind im Moment ausgefallen.
- um 10.25 Uhr neues Beben von ML2,3 aus 12 km Tiefe, jetzt unter dem Inselmassiv beim Tanganasoga. Heute bereits 3 Erdstöße.



Um 2.28 Uhr in der vergangenen Nacht gab es ca. 10 km vor der Westküste ein ML3,3 Beben (Grafik: Google/Avcan). Der Erdstoß kam aus 18,1 km Tiefe und war auf der Insel spürbar. Schon gestern deutete es sich an, dass die Bebenhäufigkeit wieder zunimmt. Heute bereits (bis 9.00 Uhr) 6 Erdstöße aus 12 bis 18 km Tiefe.

Mittwoch, 16. April 2014

Vulkan - Frühwarnung mit neuer Satellitengeneration

NEWS:


Mit dem Start des Sentinel-1A Beobachtungs- Satelliten, hat die ESA (Fotos) am 3. April 2014 den Ersten von einer neuen Flotte von Satelliten gestartet. Sie sollen eine Fülle an Daten und Bildmaterial von bisher nicht gekannter Präzision liefern. Mit einem C-Band Synthetic Aperture Radar (SAR) -  ein Allwetter-, Tag und Nacht Radar, wird die Erdoberfläche alle 6 Tage komplett frisch gescannt. Dabei können Oberflächenverformungen ab einem Millimeter Veränderung bereits erkannt werden. Die Radar- Interferometrie kombiniert zwei oder mehr Radarbilder über dem gleichen Gebiet, um Veränderungen von schon geringfügigen Bodenbewegungen zu registrieren.
Es ist eine neue Art von GPS Messung, die wir auf El Hierro durch die japanische Universität Nagoya kennen.
Eine Vulkanfrühwarnung auch für Gebiete die nicht ständig von GPS Sensoren überwacht werden. Aufsteigende Magma und erhöhter Druck in der Magmakammer wölbt die darüber liegende Erdkruste. Erste Anzeichen für eine bevorstehende Eruption.

Mit den Folgesatelliten soll bis 2015 ein lückenloses Warnsystem geschaffen werden. Auch soll es Informationen zur Überwachung von Gesteinsverschiebungen vor Erdbeben oder etwa drohenden Erdrutschen liefern.

In den letzten Tagen nehmen die Beben unter El Hierro wieder zu (IGN Grafik links). Gestern 8 Beben - heute bereits 2 Erdstöße. Es sind schwache Beben bis ML1,8. Die Tiefe variiert zwischen 9 und 13 km Tiefe.
Auch die Ausgangslage liegt jetzt wieder mehr zentral über der alten Haupt- Magmakammer um den Tanganasoga und dem Golfobecken (Grafik).

Die Bodenverformung bleibt konstant auf hohem Niveau. Hier hat sich seit dem letzten Bebenschwall Mitte März 2014 keine große Veränderung ergeben. Wie beim Aufpumpen eines Fahrradreifen bleibt der letzte Pumpstoß erhalten. Der Schlauch hält dicht bzw. es findet keine Druckabgabe in das Nachbargestein statt.

Montag, 14. April 2014

Vulkan, Erdbeben und Erdölförderung

NEWS:
Dienstag, 15.04.14 - 14.35 Uhr - heute ein ML1,8 und kurz darauf ein ML1,6 Beben aus 12 bzw. 13 km Tiefe um den Tanganasoga an der Golfokante.


Gestern wurde es wieder etwas lebhafter unter der Insel. Insgesamt 6 Erdstöße - der stärkste Erdstoß mit ML2,1 im südlichen Bereich von EL Pinar (Grafik) aus 11 km Tiefe. Alle Beben vom Sonntag lagen in diesem Sektor und kamen aus unterschiedlich tiefen Lagen zwischen 10 und 22 km. Heute Morgen um 4.40 Uhr auch ein schwaches Beben von ML1,5 im nördlichen Inselteil bei Valverde aus 20 km Tiefe.


Es verdichten sich immer mehr die Hinweise, dass Erdölförderungen im Mai 2012 im Norditalienischen Emilia-Romagna Erdbeben ausgelöst haben. 27 Menschen wurden durch zwei schwere Erdstöße am 20. Mai von ML5,9 und am 29. Mai von ML5,6 dabei getötet.
Ein lange unter Verschluss gehaltener Untersuchungsbericht eines Gremium von Geowissenschaftlern wurde nun veröffentlicht. Die Geologen verdächtigen das Cavone-Ölfeld des Unternehmens Gas Plus das in 20 km Entfernung liegt, als möglichen Auslöser.

Just nachdem im April 2011 die Fördermenge im Cavone-Feld gesteigert wurde, nahm auch die seismische Aktivität zu. Die Ölförderung und auch das Verpressen von Wasser unter hohem Druck, könne zwar selbst keine starken Beben auslösen. Aber bereits vorhandene Verwerfungen des Gestein, könnte durch die Förderung den letzten Impuls zu einem Beben bekommen haben - so die Wissenschaftler.

Menschliche Eingriffe waren schon mehrfach der Grund von Beben.

Erwiesen ist, dass drei Erdstöße in den USA zwischen ML4,5 und ML5,0 auf  das Einpumpen von Chemikalien zurückgeführt werden kann. Ebenso drei Beben im November 2011 in Oklahoma mit über ML5,0. Hier wurde Abwasser unter hohem Druck in ein altes Ölbohrloch entsorgt.

In Italien ist die These noch eine Vermutung der Forscher und noch nicht bewiesen. Den Beweis will man nun mit einer physikalischen Simulationen der Hydrodynamik erbringen.

Dieses Thema hat in Italien eine gewisse Brisanz. 2009 wurden bei einem Erdbeben in  L'Aquila über 300 Menschen getötet. 6 Wissenschaftler und ein Behördenvertreter wurden wegen wissentlicher Fehleinschätzung zu sechs Jahren Haft verurteilt. Das Verfahren befindet sich im Moment noch in der Revisionphase.

Für die Kanaren könnten die Ereignisse in Emilia-Romagna ein weiteres Mosaiksteinchen gegen die beabsichtigte Erdölförderung vor der Küste von Fuerteventura sein. Hier will man in Richtung eines aktiven Hotspot Bohrungen ausbringen. Noch gewagter und noch mit mehr Risiko behaftet.

Wer weis wie stark die Spannungen um das vermutete Erdölfeld bereits sind. Vielleicht genügt der letzte "Klick" um nicht nur ein Beben, sondern die unter Druck stehende Magma zu einer nicht vorhersehbaren Entfaltung anzuregen.
Es ist nicht unbedingt eine Ölverschmutzung wie die Kritiker vermuten, sondern in meinen Augen vielleicht die Initialzündung für eruptive Prozesse die damit in Gang gesetzt werden könnten.
Bevor hier der Bohrmeisel angesetzt wird, sollten erstmals neutrale und umfassende Untersuchungen des Untergrundes angestellt werden.
Internationale Geologen und Vulkanologen die ohne Zeitdruck, mit den heute möglichen Methoden den Untergrund analysieren. Erst dann sollten Gedanken an eine evtl. Ölverschutzung mit ihren Folgen angestellt werden.
... und so lange kann es keine privaten Bohrungen geben.

Den britischen Premierministers David Cameron interessiert im Moment diese Diskussion sicher nicht. Er verbringt zusammen mit seiner Familie seinen Osterurlaub auf Lanzarote. Nicht mit dem Privatjet oder einer englischen Regierungsmaschine, sondern im Sparflieger mit einer Boeing 737-800 der irischen Ryanair, kam er am Wochenende hier an.
Auch Frau Merkel hatte schon zweimal ihren Urlaub auf La Gomera verbracht.